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Projekt

Bildhauerwerkstatt > 2016

10. Internationale Bildhauerwerkstatt "steinleicht"
22.08.2016 - 04.09.2016

Extremer kann man sich die Atmosphäre rund um den Krabatstein, auf halbem Wege zwischen Kriepitz und Miltitz gelegen, kaum vorstellen. Vierzehn Tage lang um die Monatswende August/September bestimmten hier zehn Bildhauer, von akademischem Format und vier Nationen zugehörig, das Geschehen rund um den Steinbruch Miltitz. Hinzu kamen noch drei Einheimische, die gleichfalls virtuos mit dem Material Holz umzugehen wussten. Die Akteure drangen mit Hammer und Meißel bei ihren Feinarbeiten in die reichlich vorhandenen und auserwählten Granitblöcke ein, zuvor jedoch mit ihren Presslufthämmern. Stundenlang waren in den Folgetagen die kreischenden Winkelschleifer, bekannt unter der Bezeichnung Flex, zu hören. Dazwischen platzierten sich im vielstimmigen Werkzeugchor die Kettensägen der Holzbildhauer. In diesem disharmonischen Konzert fielen die Geräusche der Metallkünstler kaum auf. Hinzu kam an den beiden ersten Tagen der Lärm der großen Radlader, die die Firmen Missalle und Schmidt großzügig stundenweise liehen und mit denen die großen Granitblöcke von der Steinhalde zu den Arbeits-plätzen transportiert wurden. Was im Waldesrund Beine oder Flügel hatte, floh vor dieser Geräuschkulisse die schon am frühen Morgen einsetzte und erst bei Sonnenuntergang erstarb. Den Bildhauern blieben schließlich nur elf reine Arbeitstage, um ihre Idee materiell umzusetzen. An jedem der 13 Arbeitsplätze entstanden ausnahmslos qualitativ hochwertige Kunstwerke, so die einhellige Auffassung der Mitglieder des veranstaltenden Vereins Steinleicht. Sie verweisen immerhin auf eine zehnjährige Erfahrung in der Ausrichtung einer Bildhauerwerkstatt. Nicht anders auch das Urteil vor allem jener Besucher, die alljährlich dem Ereignis ihre Aufmerksamkeit widmen; wie der Lehrer Oschikat aus Panschwitz-Kuckau oder der Kunstmaler Smuda aus Kamenz.

Durchaus mit Bezügen zu Landart schuf Georg Mann aus Halle, diplomiert in Burg Giebichenstein und dort auch noch Meisterschüler, das Ei aus circa 1000 einzelnen Holzsegmenten. 3500 Schrauben benötigte er, um diese stabil miteinander zu verbinden. Alle der alten Bretter stammen vom Bauhof der Gemeinde Nebelschütz, entnommen aus Scheunen, waren einst Dielungen u.a.m. So nimmt es auch nicht Wunder, wenn der Künstler davon ausging, somit regelrecht dörfliche Geschichte in seinem Kunstwerk ideell aufzubewahren. Sein Holzei von über 2 Meter Höhe und entsprechendem Umfang wird letztendlich den Weg allen Irdischen gehen - vom Werden bis zum Vergehen.

Seine äußerst enge Verbundenheit zu Nebelschütz versinnbildlichte erneut der tschechische Bildhauer Robert Alger. Er hatte entscheidenden Anteil an der 2014 aufgestellten Dreierskulptur aus Marmor und Granit an der Radwegbrücke zwischen Kamenz und der nahen sorbischen Gemeinde sowie in Alleinarbeit mit der Schaffung der Skulptur Nadja gegenüber dem Friedhof von Nebelschütz, gewidmet den Fremdarbeitern in finsterer brauner Zeit. Dieses Jahr schuf er eine wie beschwingt wirkende granitene Säule, die bei genauer Betrachtung die Anmut des Oberlausitzer Hügellandes verkörpert und einen küssenden Schattenmund zeichnet - frei nach der Sinnbildlichkeit von Nebelschütz "Vom Himmel geküsst". Natürlich war er im Nachhinein selber erfreut darüber, wie gut er seine Idee materiell umgesetzt hat, doch nicht weniger wichtig war ihm seine Beurteilung der Tage im Steinbruch von Miltitz:"Mit das Schönste, was in den 2 Wochen hier entstand, war die Achtung und Freundschaft, die unter allen Beteiligten entstand".

Zur Gilde der Künstler zählten auch 3 Frauen, Jiang Bian-Harbort (China) aus Leipzig mit dem granitenen Drachen, der für das Glück stehen soll; Gesine Grundmann aus Köln mit ihren riesigen, beweglichen Kettengliedern aus Holz und schließlich Judith Franke aus Thüringen. Letztere schuf eine lebensgroße Frauenskulptur mit einer Frisur aus Weidenzweigen. "Viele meiner Arbeiten sind eine Kombination meiner Ausbildungen zum Bildhauer und zum Flechtwerkgestalter".

Andere nachhaltige Eindrücke gab es für den aufmerksamen Betrachter des Geschehens viele. Familie Schulze aus Döbra bei Ossling suchte die Künstler auf und überraschte sie mit einem großen Blech Kuchen sowie Kaffee. Ein Bäcker aus Panschwitz spendierte täglich Brötchen und Kuchen. Mit jedem Tag nahm die Zahl der Besucher vor Ort zu, besonders in den Abendstunden, wenn auch die Berufstätigen samt Familie Zeit für einen Abstecher in den Steinbruch fanden.

Den Schülern einer 2.Klasse der GS Crostwitz wird ihr Zusammentreffen mit den Künstlern für längere Zeit in Erinnerung bleiben. Jeder Bildhauer nahm sich die Zeit für die vielen Fragen, die ihnen von den Kleinen gestellt wurden. Jene wiederum erfreuten die Fremden mit Liedern und Gedichten, ein nachhaltiger Eindruck, wurden sie doch in Sorbisch vorgetragen. Die Schüler einer 9. Klasse aus Wittichenau hingegen hatten einen Unterrichtsauftrag zu erfüllen und stellten demzufolge ganz gezielt ihre Fragen.


Traditionell hatten die Macher des Symposiums für eine angenehme kulturelle Umrahmung der Finissage gesorgt. Die tschechischen Blasmusiker aus der Partnergemeinde Hermanice bei Frydland spielten sich rasch in die Herzen der Besucher, gleiches gilt für die Artistenschule Bautzen und das Bühnenvolk vom Steintor, ebenfalls aus Bautzen. Bei soviel Unterhaltung waren Durst und Appetit nicht fern und deshalb hatten die Mitglieder des Vereins Steinleicht, verstärkt von Verwandten und Bekannten, alle Hände voll zu tun, dem gerecht zu werden.

Die 10. Bildhauerwerkstatt im Steinbruch Miltitz ist Geschichte. Vereinzelt werden noch Besuchergruppen im Herbst dort Führungen erleben. Ganz individuell oder in Familie ist ein Besuch der Ausstellung durchaus erlaubt. Allerdings wurden jene Skulpturen, die wegen ihres Gewichts vor Langfingern nicht gefeit sind, unter Verschluss genommen, so das die gesamte Breite der geschaffenen Werke dem Betrachter nicht zugänglich ist.

Helmut Schippel



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